Zwischen Stille und endlosen Weiten

Liebe zur Natur

Es gibt Stadt- und Landmenschen. Richtig, ich bin wohl – ohne es anzweifeln zu können – ein Landmensch! Die Natur ist ein ganz enger Freund von mir. Ich liebe es, mit Pflanzen zu arbeiten, sie zu bestaunen. Ich könnte stundenlang Blumen und Wälder fotografieren, mag den Geruch von frischem Heu (auch wenn mein Körper aufgrund meiner Gräser-Allergie das vielleicht manchmal anders sieht), bin ein Campingfan und wähle sogar freiwillig Campingausflüge im Sommer. Ich könnte mich in Moos zum Schlafen einbetten (wenn da nicht die lästigen kleinen Tiere in der Nacht kommen würden) und freue mich jedes Mal, wenn mir Eichkätzchen, Hase, Reh, Maulwurf, Dachs etc. über den Weg laufen. 

Unsere Urlaube sind daher oftmals auf meinen unersättlichen Drang in die Natur rauszugehen abgestimmt. Diesen Sommer haben wir zwischen Arbeits- und Freizeitstress ein verlängertes Wochenende in Tirol, Seefeld, eingeschoben. Ganz ehrlich - wenn man hier nicht abschalten kann, dann weiß ich nicht wo sonst.

Ruhe einkehren lassen

Seefeld ist ein entzückendes Örtchen (Hochplateau) auf ca. 1.200 m Seehöhe, direkt nach Innsbruck. Als berühmte Olympiaregion bekannt, bietet der Ort auch im Sommer so einiges. Zahlreiche Wander- und Spazierwege - für jedes Alter und jeden Schwierigkeitsgrad - bringen einem die Berge und Wälder eine Spur näher und lassen Ruhe in unserer rastlosen Welt einkehren. Zumindest hatte das bei mir diesen Effekt. Der Wildsee, der sich direkt um Seefeld schlängelt, bietet ebenfalls einen Ruheort der Sonderklasse. Zwischen Minigolfen, Schwimmen, Golfen, Spazieren, Kneippen und Entspannen ist hier für jeden ein ansprechendes Programm dabei.

Hier möchte ich bleiben...

Unser Samstagtrip beginnt auf 1.170 m, mit Anstieg auf die Gehrenspitze. Zielpunkt: Das Gipfelkreuz der Gehrenspitze auf 2.367 m Seehöhe. Die Tour ist mit mittelschwer gekennzeichnet und zeigt eine Dauer von etwa 7 Stunden (für Auf- und Abstieg) an. Unser Samstag beginnt daher (für unsere Verhältnisse) recht zeitig in der Früh, damit wir um Punkt 10.00 Uhr unsere Tour beim Parkplatz Stupfer im Gaistal starten können.

Tipp: Die gesamte Tour könnt ihr hier nachlesen.

Der Anstieg beginnt ziemlich steil und heiß - die Sonnenstrahlen brennen uns auf Rücken und Nacken, aber wir sind unermüdlich. Schließlich liegen noch ein paar Höhenmeter vor uns und wir freuen uns schon auf ein kühles Soda-Zitron ;)

Etappen-Aufstieg

Unser erster Stopp ist die Wettersteinhütte. Wir befinden uns jetzt auf etwa 1.700 m. Der Anstieg war wirklich nicht ohne, aber der Wald hat uns vor der Hitze Schutz geboten. Zwsichendurch haben wir uns mit frisch gepflückten Heidel- und Walderdbeeren den Bauch vollgeschlagen. Nach 2,5 Stunden sind wir endlich da. Die Hütte ist gar nicht mal so klein. Das Sacherwürstel haben wir uns jetzt wirklich verdient. Nach ca. 30 Minuten Futter- und Pipi-Pause geht es aber auch schon weiter Richtung Gehrenspitze. Wir passieren die zweite Hütte Wangalm und bestaunen das einzigartige Panorama, das uns geboten wird. Sowohl wenn wir Richtung Berg schauen, als auch wenn wir ins Tal und auf den gegenüberliegenden imposanten Berg "Hohe Munde" blicken - mit seinen stolzen 2.662 m.

Vorbei an Kühen und Schafen, die uns teilweise den Weg versperren, machen wir einen großen Schwenk nach rechts an der steilen Felswand vorbei und direkt weiter zur Erinnerungshütte. Wenn ich ein Schaf wäre, dann möchte ich bitte genau hier leben. Die Tiere haben einen Panoramablick, den man kaum in Worte fassen kann, und wohl das frischeste und grünste Gras, das ich jemals gesehen habe.

Wir sehen erstmals den Kamm der Gehrenspitze. Das Wetter schwenkt sehr schnell um - von super heiß und sonnig auf düster und mit unzähligen dunklen Wolken. Aber so schnell die bösen Wolken kommen, so schnell verschwinden sie auch. Und so geht es unermüdlich weiter Richtung Kamm. Der Weg ist jetzt sehr schmal und rechts von uns geht es einige hunderte Meter bis ins tiefe Tal hinab. Höhenangst darf man hier eindeutig nicht haben. Auch Trittsicherheit ist bei dieser Tour mehr als gefragt. Immer wieder muss ich stehenbleiben, weil ich dieses tolle Panorama nicht einfach so an mir vorbei ziehen lassen kann. Vom Skifahren bin ich ja einige tolle Blicke und Berglandschaften gewohnt - aber das hier im Sommer zu erleben ist dann doch irgendwie etwas anderes.

Mehr als lohnenswert

Ich kann es sehen - das Gipfelkreuz der Gehrenspitze ragt imposant in den Himmel hinauf. Noch ein paar Schritte und wir haben es geschafft. Es ist schon recht windig und kühl. Wir haben uns bereits unsere Jacken angezogen und Kappen aufgesetzt. Der Weg entlang des Kamms ist richtig anstrengend, da das Geröll alles andere als leicht zu betreten ist.

Oben angekommen - wir können unser Glück kaum fassen - grüßen wir zuerst höflich die drei anderen freundlichen Wanderer und setzen uns mit Jausenbrot, Apfel und Trinkflasche gemütlich neben das Kreuz. Für ein paar Minuten sagt niemand etwas - denn wir genießen einfach nur den Moment. Nachdem wir ein paar Sonnenstrahlen noch eingefangen haben, tragen wir uns in das Gipfelbuch ein und treten den Rückweg an. Etwa 3 Stunden Abstieg liegen jetzt noch vor uns. Noch ein letzter Blick auf die umliegenden Berge und einfach kurz noch das Panorama genießen, bevor wir uns auf den Rückweg Richtung Tal machen.

Kleine Liebeserklärung

Der Abstieg ist recht anstrengend, da es eigentlich immer nur bergab geht und unsere Knie und Füße langsam schlapp machen. Aber wir halten tapfer durch und füllen beim kleinen Wildbach noch unsere letzten Wasserreserven mit frischem Quellwasser auf. Köstlich, sage ich euch!

Unten angekommen machen wir uns auf den Heimweg Richtung Hotel in Seefeld und setzen uns erschöpft zum Abendessen. Eigentlich wollten wir noch im Ort etwas Trinken gehen, aber wir sind so fertig, dass wir keinen Schritt mehr gehen können. Letztendlich haben wir an diesem Tag über 28.000 Schritte und knapp 19 km zurück gelegt. Der Ausblick alleine hat uns aber für alle Fußschmerzen entschädigt. Und die Stille dort oben, werde ich wohl nicht mehr so schnell vergessen. Als wäre man in einer anderen Welt, wo Zeit und Raum keine Rolle spielen. Es erinnert mich ein bisschen an unseren Aufstieg auf den Vulkan von Maui - das war ebenfalls ein unvergesslich schönes Erlebnis. Nur wir beide! Was sonst wo anders passiert, spielt auf einmal keine Rolle mehr.

Erst als wir wieder auf 1.200 m ins Auto steigen, kommt die Realität langsam wieder zurück. Tirol - ich habe mich in den wenigen Tagen ganz schön in dich verliebt. Ich komme auf jeden Fall wieder, auch wenn es nur für einen Tag ist, damit ich dich endlich wieder sehen kann. Und ganz gleich, ob im Winter oder Sommer. So ganz ohne dich möchte ich einfach nicht mehr sein. Bis bald ;) Alles Liebe ♥

Ostern auf 1.000 m Seehöhe

Dem schlechten Wetter zum Trotz haben wir uns am Ostersamstag auf 1.000 m Seehöhe nach Rohrmoos zur Waldhäuslalm begeben und sind danach bergabwärts zu Fuß nach Schladming spaziert. Eine interessante Wanderroute, zwischen schneebedeckten Bergen, kahlen Wiesen, dichtem Wald und dem wilden Talbach. Der kalte Wind hat uns um die Ohren gepeitscht, aber trotzdem hat sich ab und zu ein kleiner Sonnenstrahl unter der teils dichten Wolkendecke hervor getraut. Und so ging es dick eingepackt mit Fleecepulli, Schal und Regenjacke talabwärts, vorbei an Kuhherden, grasenden Pferden, stillen Orten, rauschendem Wasser, kleinen Holzhütten und dem sogenannten Toteisboden.

Ruhig, ruhiger, Toteisboden

Ein auffälliger Bereich im Rohrmooser Untertal besteht aus dem sogenannten Toteisboden (auch Steilhangmoor genannt). Der Bereich steht seit 1968 unter Naturschutz und stellt aufgrund von Lage und Ausprägungen eine ökologische Besonderheit dar. Bei Toteisboden handelt es sich um "moosüberkleidete Kaltluftblockhalde", wodurch eine besondere Vegetation hervorgerufen wird, wie zum Beispiel Rotes Torfmoos und Zwergbirken. Zusätzlich befindet sich am Toteisboden im Untertal eine hohe Artenvielfalt von Flechten, Moosen, Farnen sowie lichenicolen Pilzen. Der Boden entstand bereits vor über 10.000 Jahren in der Eiszeit, als durch einen Bergsturz eine „Schutthalde“ aus großen Felsblöcken entstand. Die Felsblöcke sind heute locker aufgeschichtet, wodurch ein Windröhrensystem entsteht, das den Boden extrem abkühlt – sogar im Sommer. Der Boden ist teilweise sogar so kalt, dass selbst im Frühsommer Eis vorhanden ist. Toteisboden lässt sich einerseits durch die gelben Wiesen und andererseits die Vegetation, wie etwa Rotes Torfmoos, gut erkennen.

Inmitten des Toteisgebiets befindet sich ein kleiner Lehrpfad, an dem man die besonderen Eigenschaften dieses Bodens nochmals bestaunen kann. Tief rosarote kleine Pflänzchen tummeln sich auf dem wilden und teils urig wirkenden, muggeligen Boden und versetzen einen kurzerhand in eine andere Welt. Ich fühle mich so, als würden umgehend kleine Hobbits aus ihren Höhlen gekrochen kommen und mich auf eine besondere Reise entführen.

Es wirkt sehr still hier - weder Vogel, noch Eichkätzchen lassen sich blicken. Ich könnte stundenlang auf die kleinen roten Pflänzchen starren und ihrem Grund nachgehen, wohin sie verlaufen bzw. wo und wann sie sich mit anderen Pflanzen verbünden. Denn so schnell kann man gar nicht schauen, verschwimmen die tiefroten Töne auf einmal mit einem satten Hellgrün und dieses Grün wird wiederum langsam zu einem Braunton, bis schließlich der natürliche Waldboden beginnt. Das hier ist ein wahres Naturschauspiel, das ihr euch unbedingt einmal anschauen müsst.

Nähere Infos zum Wanderweg Wilde Wasser und die Eigenschaften von Toteisboden findet ihr hier

Für die knapp 7 km vom Untertal nach Schladming benötigt man zu Fuß in etwa 1,45 Std. Der Schluss des Wanderweges führt über den Talbachweg – über den ich euch hier bereits ausführlich erzählt habe – und man wird mit einem beeindruckenden Panorama über das Dachsteingebirge belohnt.

Nach dem beeindruckenden Spaziergang/Wanderweg ging es für uns ab zur Familie und zur Spielesession mit den Kids. Hoffentlich hattet ihr ebenfalls ein schönes und vor allem erholsames verlängertes Osterwochenende, mit ganz viel Freude, Spaß und Genuss, einer gesunden Portion Familientalk und einem köstlichen Osterschmaus. Alles Liebe und bis bald ♥ 

Der Natur so nah

Von wegen "Stille & Einsamkeit"

Das Wasser rauscht in Windeseile das Flussbett entlang und schmeißt sich wagemutig die Felswand talabwärts. Von weitem kann man schon die Wassermassen aufgrund des lauten Getöses erahnen. Links und rechts neben dem Weg hängen meterlange Eiszapfen herunter und zeigen den Weg hin zum reißenden Talbach. Unglaublich, wie viel Kraft Wasser doch haben kann. Die Sonne kämpft sich mutig zwischen Zweigen und Ästen ihren Weg durch die Wälder hindurch und es scheint so, als würden die Sonnenstrahlen versuchen auf der Wasseroberfläche zu tanzen. Vögel sitzen in den hohen Bäumen und erzählen bzw. singen uns ihre Geschichte der Welt. Beim Blick gegen die Sonne wirkt es so, als würde es regnen, da dicke Tropfen von den Bäumen herunterpurzeln, die bis vor ein paar Sekunden noch als schwere Schneemasse auf den Tannen lagen. Der Schnee unter meinen Füßen hinterlässt ein knirschendes Geräusch, die Kälte scheint mir gar nichts auszumachen, denn der Moment ist nahezu perfekt. Versunken in dem Schauspiel der Natur, wo weder Stille noch Einsamkeit herrscht, gehe ich den Talbach entlang. 

Knapp 1 1/2 Stunden dauert der Talbachklamm-Rundweg von Schladming nach Rohrmoos-Untertal (Steiermark, Österreich) und jedes Mal schaffe ich den Weg nicht unter 3 Stunden, da ich von Wasser, Licht, Stimmung & Moment so gefesselt bin, dass ich nicht weiß, ob ich mich für den Blick durch die Kamera oder doch lieber einfach nur für das Genießen entscheiden soll. Meistens mache ich beides und genau darum gehen meine Mitmenschen nicht so gerne mit mir Spazieren bzw. Wandern - denn da können einfache Wanderungen schon einmal doppelt so lange dauern, wie angegeben ;)

Zwischen Sonne & Wald

Am Ende der Talbachklamm kommt man an eine wunderschöne Lichtung, mit (meist) viel Sonne, alten Holzhütten, unzählige im Winter mit Schnee bedeckte Wiesen und wir mit einem tollen Blick auf die Planai-West-Gondel und das Hochwurzen-Skigebiet belohnt. Genau hier steht man sozusagen am Beginn des Untertals. Plötzlich ist vom tosenden Wasserrauschen nichts mehr zu hören - viel eher machen sich Wiesen, so weit das Auge reicht, ein schmaler Weg zwischen Bergen Richtung "Wilde Wasser" und wunderschönen Bergseen (z.B. Riesachsee) sowie ein unbezahlbarer Blick auf das Dachsteingebirge bemerkbar. Der Weg zurück nach Schladming ist genauso schön und führt ein bisschen oberhalb vorbei an der Mittelstation der Planai-Gondel direkt in die Stadt.

Tipp: Die Talbachklamm ist bis 24 Uhr beleuchtet und daher auch nachts zu begehen und ein absolutes Highlight. Mit all dem Schnee und dem reißenden Talbach eine wirklich lohnende Tour - auch für Anfänger & Kinder geeignet, da der Weg sehr breit und nur leicht ansteigend ist.

Ich denke man muss kein Naturliebhaber (wie ich) sein, um solch ein Naturschauspiel genießen zu können. Einfach Mütze, Schal und Handschuhe packen, wasserfestes Schuhwerk anziehen, Kamera um den Hals hängen und ab geht es in die Natur. Versprochen: Es lohnt sich! Alles Liebe und bis bald ♥