Vom Geschichten erzählen und Träumen

Verliebtheit

Kennt ihr das? Wenn etwas so schön ist, dass man gar nicht genug davon haben kann? Ja, ertappt. Bei mir sind es die Pfingstrosen, die es mir eindeutig angetan haben und mich irgendwie nicht loslassen. Was sie besonders macht, kann ich gar nicht wirklich sagen. Aber vermutlich das Gesamtpaket macht sie für mich so faszinierend – der Duft, die Fülle und Komplexität der Blüte sowie die Farbenpracht.

Also bin ich auch dieses Mal nicht drum herum gekommen, den von meinem Mann überreichten Pfingstrosen-Strauß vor meine Linse zu bringen. Diesmal durfte sich das schöne Pflänzchen in einer alten Teekanne mit Streublumenmuster meiner Schwieger-Oma (gibt es das Wort eigentlich?!?!) neben die alte Praktica Kamera von meinem Opa gesellen. Ich sag euch, ein Augenschmaus für jeden Fotografen ;) Aber genau hier, zwischen Teekanne meiner Schwieger-Oma und Analogkamera meines Opas,  hat sich dann die Geschichte, die ich eigentlich erzählen wollte, irgendwie gedreht und ich bin nachdenklich geworden.

Etwas zum Träumen

Vor ein paar Jahren habe ich  mich - leider aus traurigem Anlass - erstmals den alten Kisten und Kartons meines Opas genauer gewidmet und bin dabei auf wirklich schöne Fundstücke gestoßen. Neben der etwa 40-50 Jahre alten Analogkamera, haben sich uralte Analogobjektive, sowie Aufsteckblitze befunden und mir ein zartes Lächeln ins Gesicht gezaubert. Endlich wusste ich, woher ich anscheinend ganz unterbewusst meine Leidenschaft für die Fotografie entwickelt hatte. 

Es ist mir schwergefallen, diese alten Modelle, die weder fragil, noch altmodisch wirkten, aber zugleich so viel Geschichte und Liebe mit sich trugen, in die Hand zu nehmen. Einfach weil mich das Gefühl so erdrückt hat, dass mein Opa diese Kameras wohl zuletzt in seinen Händen hielt. Auch jetzt - alleine beim Gedanken daran - treibt es mir leicht feuchte Perlen in die Augen und meine Hände beginnen ein wenig zu zittern.

Aber es kann auch schön sein, an längst Vergangenes zurück zu denken und in Erinnerungen zu schwelgen. Für mich stand fest: Diese für mich so wichtigen Fundstücke brauchen einen besonderen Platz in unserem Eigenheim. Ein Platz, an dem ich sie gut sehen kann. Wo sie aber nicht erdrückend wirken, sondern wo sie sich unauffällig und zugleich passend in die restliche Einrichtung unseres Eigenheims integrieren. Es sollte kein Schrein werden, sondern viel mehr einem Bild ähneln, welches all die schönen Momente zeigt und zum Träumen und Nachdenken anregt. Vor allem die schönen Dinge, die sich so unvergesslich in mein Gehirn "gebrannt" haben, machen diese kleinen alten Geräte zu einem Symbol dafür.

Unvergesslich

Nach langem hin und her bin ich dann doch endlich auf Pinterest fündig geworden, um die alten Kameras in unserere vier Wände zu integrieren, ohne sie einfach nur in ein Regal zu stellen. Die alten Kameras haben nun den perfekten Platz erhalten. Integriert in einen weißen Rahmen hängen sie neben dem Torbogen zu unserer Küche, im Herzen unseres Wohnzimmers. Jeden Tag wenn ich aufstehe sehe ich diese kleinen faszinierenden Geräte mit all ihren Knöpfen und Details, die schon vor Jahren unser Leben festgehalten haben und es heute in ihrer technologisch höchsten Form noch immer tun. Und die gleichzeitig eine für mich so bedeutende Geschichte erzählen. Irgendwie beruhigend und faszinierend zugleich.

Pinterest Inspiration

Pinterest Inspiration

Was ich gerade mache? Ich schaue die Rahmen mit den alten Kameras an. Es wirkt beruhigend. Es bringt mich zum Lächeln. Es wirkt auch irgendwie befreiend. Schön, wenn Dinge, ein Stück Geschichte zurückbringen können und zum Träumen verleiten.

Ich wünsche euch einen wunderschönen Sonntag. Alles Liebe und bis bald

 

Zeit zum Erinnern

Den Blick schweifen lassen

Teller für Teller, Gabel für Gabel, Kanne für Kanne werden von meinen Augen in Sekundenschnelle gescannt und von meinem Gehirn in die Kategorie "Klumpat - braucht keiner" oder "Oh wie süß - will ich unbedingt haben" abgespeichert. Es bleibt nicht viel Zeit um die Umgebung zu Scannen und trotzdem nehme ich sie mir, um kurz in Erinnerungen zu schwelgen. Ich stehe hier - inmitten von einem verlassenen Haus, überall warten Erinnerungsstücke, Relikte aus längst vergessenen Tagen, die mitgenommen und sich in die nächste Generation integrieren wollen. Es fühlt sich fast so an, als wäre man für den Moment in eine andere Zeit zurück versetzt. Jene Zeit unserer Großeltern, wo Armut und Krieg noch so präsent waren, aber wir denken auch gerne an die Stunden mit den Großeltern zurück.

So viele Jahre haben diese Menschen hier gelebt, glückliche und traurige Zeiten erlebt und sich ein Eigenheim aufgebaut. Ein kleines fragiles weißes Kännchen mit Goldrand erlangt kurz meine Aufmerksamkeit und schon fange ich an zu Grinsen. Denn ist das nicht jenes Kännchen, in dem ich letztens noch die warme Milch für meinen Kakao erhalten habe? Es liegt da direkt neben alten Löffeln, kleinen Gewichten und einem fast schon antik wirkendem Messer. Würde das Kännchen sprechen können, ich würde es nach all seinen Erlebnissen und Eindrücken fragen. Woher stammt der Kratzer auf der linken Seite am oberen Rand und welche Geschichte steckt hinter dem kleinen Cut am Henkel?!

Mit der Neuzeit verbinden

Aber was fängt man schon mit einem alten zerkratzten Kännchen an? Ganz ehrlich? Gar nichts, aber ich nehme es trotzdem mit und packe es sorgfältig in Zeitungspapier eingehüllt in meine Tasche zu all den anderen Dingen, wie Schlüssel, Salatbesteck und Schneebesen, die eigentlich keiner braucht, aber so viel Geschichte mit sich herumtragen. Und ich freue mich einfach, dass ich es habe. Denn jedes Mal, wenn ich das Kännchen betrachte, denke ich an das letzte Mal mit meinem warmen Kakao in der Hand zurück. Und das ist auch gut so, denn was wären wir ohne unsere Erinnerungen? Man muss sie nur gut in unsere Neuzeit integrieren können und dann bilden sie wie von selbst eine Symbiose mit all den anderen schönen Dinge, die heute so dazu gehören.

Letztendlich verlasse ich das Haus, in dem so viele Erinnerungen, Geschichten und Momente stecken, mit einem voll bepackten Säckchen voller Dinge, die leider keine geliebten Menschen, aber dafür Erinnerungen und ein gutes Gefühl zurückbringen. Oftmals habe ich mir ins Gedächtnis gerufen, dass ich diese Tasse oder jenes Besteck wohl nie verwenden werde, aber es es ist ein gutes Gefühl, wenn ich einfach weiß, wem es gehört hat und woher ich es habe. Und reicht das im Endeffekt nicht aus?!

Ich wünsche euch einen wundervollen Muttertag, mit dem Hintergedanken, dass auch Großmütter Mütter sind bzw. waren und es vollkommen in Ordnung ist, in Erinnerungen zu schwelgen und an Großmütter zu denken. Alles Liebe und bis bald