5 Tipps für bessere Fotos

In meinen Fotografie-Workshops erlebe ich immer wieder die sogenannten Aha-Effekte unter den TeilnehmerInnen, wenn ich über Dinge spreche, die für mich ganz selbstverständlich sind, aber für einen Neueinsteiger in diesem Bereich ganz neue Welten offenbaren. Die nachfolgenden 5 Tipps sollen euch helfen, eure Produkt- und/oder Bloggerfotos zu verbessern und euch das Fotografie-Genre auf einfache Art und Weise näher bringen.

Schlagwörter: Ausrüstung, Datei-Format, Licht, Komposition & Weißabgleich

1. Die richtige Ausrüstung

Ich bekomme öfters die Frage nach der Wahl der richtigen Kamera und Ausrüstung gestellt und kann euch dazu nur eines sagen: Ihr könnt auch mit einer kleinen Kompaktkamera (vor allem in den Anfängen) richtig gute Bilder schaffen, aber das Wichtigste ist, dass ihr euch mit eurer Ausrüstung gut auskennt. Studiert die Bedienungsanleitung, fragt in Foren oder bei Freunden nach, wenn euch etwas unklar ist und informiert euch - wenn nötig auch durch gesonderte Kamera-Bücher – bis keine offenen Fragen mehr im Raum stehen. Je besser ihr mit eurer Kamera umgehen könnt, desto eher könnt ihr in schwierigen (Licht-)Situationen reagieren und trotzdem schöne Bilder erhalten.

Mein Tipp: Gerade am Beginn ist das Budget meist knapp, daher rate ich euch, mit einer guten Consumer-Spiegelreflexkamera (z.B. Nikon D3300) oder einer Kompaktkamera zu beginnen. Dabei spielt die Marke eine eher untergeordnete Rolle. Geht in ein Geschäft, probiert die unterschiedlichen Marken und Typen aus und nehmt dann jene Kamera, mit der ihr euch am wohlsten fühlt. So kann nichts schief gehen ;) Wichtig ist, dass ihr das Objektiv am Gehäuse wechseln könnt, damit ihr zum Beispiel mit einem Macro-Objektiv für eine kleinere Schärfentiefe oder einer Festbrennweite mit 35mm (die vor allem in der Produktfotografie tolle Bilder erlaubt) arbeiten könnt.

2. Das richtige Datei-Format

Eure Kamera lässt viele unterschiedliche Datei-Formate zu. Dazu zählen meist die Formate JPG, RAW und TIFF. Innerhalb der Datei-Formate gibt es dann wiederum Abstufungen zur Qualität, wie zum Beispiel JPG Fine oder die Kombination aus JPG und RAW. Ich möchte euch sehr ans Herz legen, in Zukunft nur noch mit dem RAW-Format zu fotografieren. Das RAW-Format könnt ihr euch wie das Negativ einer Analogkamera vorstellen. Alle Informationen, die ihr mit der Kamera aufgenommen habt, sind bei diesem Datei-Format vorhanden (also Farben, Größe etc.). Das ist deswegen so wichtig, da ihr in weiterer Folge mit einem Bildbearbeitungsprogramm (wie z.B. Adobe Lightroom) wichtige Informationen, die etwa durch eine leicht Überbelichtung verloren gegangen sind, ganz einfach (mithilfe des Histogramms) wieder zurückholen könnt. Das funktioniert bei JPG-Dateien leider nicht so einfach, da es sich hier um eine komprimierte Datei handelt, bei der wichtige Informationen von der Kamera bewusst gelöscht wurden (um die Größe der Datei zu minimieren). Dadurch wird es schwieriger, JPG-Dateien mit einem Bildbearbeitungsprogramm adäquat zu bearbeiten, ohne dass man es im Nachhinein sieht.

Vorteile von RAW-Dateien:

- Alle (wichtigen) Informationen werden gespeichert
- nachträgliche Bildbearbeitung schnell und einfach möglich
- keine Komprimierung der Foto-Dateien

Nachteile von RAW-Dateien:

- Dateien sind sehr groß
- Format muss mithilfe eines Bildbearbeitungsprogramms als JPG abgespeichert werden, um es z.B. für die Website oder den Druck verwenden zu können

3. Das richtige Licht

Licht ist das A und O in der Fotografie und unser schönstes Gestaltungsmittel. Je nachdem, welchen Effekt oder welches Gefühl wir durch unsere Bilder vermitteln wollen, kann Licht unterschiedlich und gezielt eingesetzt werden. Achtet darauf, dass ihr entweder mit genügend Tageslicht und einem Aufheller/Reflektor oder mit genügend Kunstlicht (möglichst ähnliche Lichtquellen, damit ihr keine Probleme mit unterschiedlichen Lichtfarben habt) arbeitet. Wenn ihr Tageslicht verwendet, achtet darauf, dass das Licht (meist von links) nicht direkt, sondern z.B. durch einen Diffusor gestreut auf eure Objekte fällt. Wenn ihr mit Kunstlichtquellen arbeitet, dann werden diese meistens links und rechts neben dem Objekt aufgestellt, um die Produkte optimal auszuleuchten.

Kleiner Tipp: Am besten sehr sparsam mit Blitzlicht umgehen! In der Produktfotografie benötigt man Blitzlicht eigentlich gar nicht, da man sich seine Lichtquellen und die Menge an benötigtem Licht selbst zusammenstellen kann.

4. Die richtige Komposition

Die richtige Komposition kann aus einem langweiligen Bild einen absoluten Hingucker machen. Es gibt eine Reihe an Kompositionstechniken, wie etwa den Goldenen Schnitt, die Fibonacci Spirale, Licht & Schatten, Symmetrie & Wiederholungen etc. Wichtig ist, dass die Elemente richtig eingesetzt werden. Es gibt zahlreiche Informationsseiten und Bücher, die über diese Kompositionstechiken informieren. Versucht bewusst einmal ein Bild nach einer bestimmten Technik zu gestalten und seid überrascht, wie anders euer Bild wirkt, als hättet ihr – wie sonst immer – das Produkt einfach in das Zentrum des Bildausschnittes gegeben. Achtet dabei besonders auf den Schärfepunkt. Wo soll der Blick des Betrachters hingelenkt werden und wo liegen meine Schnittpunkte einer perfekten Komposition?! Try it :) 

 

5. Der richtige Weißabgleich

Der falsche Weißabgleich (Lichtfarbe im Bild) lässt jedes noch so gute oder schöne Bild unappetitlich, wenn nicht sogar unschön und uninteressant aussehen – aber seht selbst:

Für das linke Bild wurde eine zu bläuliche Farbtemperatur bzw. Lichtfarbe gewählt (z.B. Weißabgleich Leuchtstoffröhrenlicht). Für das mittlere Bild eine zu gelbliche Lichtfarbe (z.B. 10.000 Kelvin). Das rechte Bild ist richtig belichtet (Tageslicht mit etwa 6.200 Kelvin). Die Lichtfarbe bzw. Farbtemperatur im Bild hängt natürlich von eurer Lichtquelle ab. Ihr könnt in eurer Kamera ganz einfach manuell den Weißabgleich einstellen oder ihr lasst die Kamera dies automatisch durchführen. Sollte die Automatik bei der richtigen Lichtfarbe im Bild versagt haben, könnt ihr den optimalen Kelvinwert noch immer nachträglich mit einer Bildbearbeitungssoftwares schnell und einfach angleichen. 

Kleiner Tipp: Achtet beim Kauf eurer Kunstlichtlampe(n) auf die Kelvinwerte. Optimal sind Lampen mit einem neutralweißen Licht (ca. 5.300 Kelvin), da hier Essen besonders schmackhaft aussieht.


Ich hoffe ich konnte euch mit diesen Tipps bei euren Fotos oder Fotoprojekten weiterhelfen. Falls ihr Fragen, Anmerkungen oder Ergänzungen habt, könnt ihr mir diese gerne im Kommentar mitteilen. Wenn euch die Tipps gefallen, teilt sie doch mit anderen :)

Für tiefere Einblicke in die Produktfotografie freue ich mich, wenn ihr meinen Ganztagesworkshop in Wien besucht. Der nächste Termin findet im Oktober statt. Alles Liebe und bis bald