Das verflixte Weizen

Wenn Altbewährtes auf einmal zum Feind wird

Es hat ganz harmlos begonnen. Einmal Unwohlsein am frühen Nachmittag, dann leichte Bauchkrämpfe nach dem Mittagessen. Zum Schluss hat nur noch das warme Kirschkernkissen gegen die Bauchkrämpfe geholfen. Die ganze Geschichte hat sich über mehrere Monate hinweg gezogen und irgendwie war keine Besserung in Sicht. Teilweise gekrümmt bin ich an meinem Arbeitsplatz gesessen und habe mir mein Unwohlsein nicht anmerken lassen. Langsam machte ich mir aber doch Gedanken, was der Grund für die unwohlen Stunden sein könnte. Als Erstes kam mir "Lebensmittelunverträglichkeit" in den Sinn. Nach ein paar Stunden bei Dr. Google habe ich mich über das Thema informiert und mir zwischen Laktoseunverträglichkeit und Glutenunverträglichkeit schon alle möglichen Horrorszenarien ausgemalt. Schließlich liebe ich doch mein obligatorisches 3-Korn-Müsli mit Milch zum Frühstück und wollte nur ungern darauf verzichten. Aber genau diese Mahlzeit war jene, die ich seit etwa 2 Jahren unverändert in der Früh esse und wohl am ehesten der Auslöser sein würde.

Mir sind in dieser Zeit viele Fragen und auch ein paar Sorgen durch den Kopf gegangen. Aber konnte es wirklich sein, plötzlich an einer Lebensmittelunverträglichkeit zu erkranken? Einfach so von heute auf morgen? Schließlich leiden in Mitteleuropa nur etwa 1% der Bevölkerung an Zöliakie (Glutenunverträglichkeit). An Laktoseunverträglichkeit leiden in Deutschland etwa 15%.

Wenn Wissen heilen kann

Je mehr ich mich mit den Themen Zöliakie und Laktose beschäftigt habe, desto interessanter und spannender fand ich die Themen. Gerade das Thema Gluten (auch Klebereiweiß genannt) ist sehr spannend. Es handelt sich dabei um ein Proteinkomplex, welches in manchen Getreidearten, wie etwa in Weizen, Dinkel, Gerste etc. vorkommt. Aufgrund der Klebefähigkeit wird es auch in vielen anderen Produkten verwendet, wie etwa zum Verdicken von Saucen und Suppen, aber auch oftmals in Schokolade.

Leider konnte mir trotz zahlreicher Arztbesuche keiner sagen, was mit mir nicht stimmte. Vielmehr war ich laut Ärzte – zu meiner großen Erleichterung – "pumperlg'sund". Aber ich hatte noch immer jeden Tag Bauchschmerzen und so konnte es nicht weiter gehen. Deswegen habe ich in einem ersten Schritt die für mich einfachste Option der Nahrungsumstellung gewählt und kurzerhand die Kuhmilch in meinem Müsli gegen laktosefreie Milch eingetauscht. Aber leider ohne dem erhofften Ergebnis. Daher musste ich stärkere Geschütze auffahren und habe mich für eine glutenfreie Ernährung entschieden. Ich war sehr aufgeregt, ob die Umstellung funktionieren bzw. sich bemerkbar machen würde. Und siehe da...bereits am ersten Tag hat sich bereits eine Besserung bemerkbar gemacht.

Ich kann nur sagen, dass der erste Besuch im Lebensmittelgeschäft nach dieser Erkenntnis der offensichtlichen Unverträglichkeit ernüchternd war. Mir sind tausend Fragen im Kopf herum geschwirrt und irgendwie habe ich mich erstmals in solch einem Geschäft einsam und unbeholfen gefühlt: Was ist Gluten? Wo ist es überall drinnen? Welche Lebensmittel sind davon versteckt betroffen? Kann ich überhaupt noch normal essen?

Dos and Don'ts beim glutenfreien Essen

Man stelle sich vor, was Menschen mit solch einer Unverträglichkeit vor 10 Jahren gemacht haben - fernab von irgendwelchen gekennzeichneten glutenfreien Lebensmitteln. Da hat sich in den letzten Jahren in Europa wirklich einiges zum Positiven entwickelt. Am Anfang war es für mich aber trotzdem alles andere als einfach, umzusteigen, gerade weil das geliebte Schnitzel, die leckeren Nudeln und das knusprige Roggenbrot nicht mehr Teil meiner Ernährung sein durften. Aber zum Glück gibt es heutzutage spannende Alternativen, die eine vollwertige Ernährung möglich machen. Nach 3 Wochen (nahezu) glutenfreier Ernährung kann ich sagen, dass man schnell lernt, damit umzugehen und sich gut zurecht findet, wenn man weiß, was einem nicht guttut. Und das Schönste ist, dass es mir endlich wieder gut geht und ich Essen wieder genießen kann, trotz kleinen Einschränkungen ;)

Folgende Produkte sind für mich ab sofort tabu:
Weizen, Dinkel, Hafer, Roggen, Gerste, Bulgur, Couscous und alle Produkte, die damit einhergehen, wie etwa Brot, Nudeln, Panier, Fertigprodukte (Suppen, Saucen,...), süße Backwaren etc.

Dafür ersetze ich sie durch folgende Lebensmittel:
Reis, Amaranth & Quinoa (vor allem gepufft für mein Müsli), Nüsse, Mais, Hirse, Glasnudeln und Buchweizen

Mein Sommerrezept für eine glutenfreie Ernährung (für 2 Personen):

  • 1 Pkg. Maiswaffeln
  • ca. 250 g Tomaten
  • 1/2 Gurke
  • ca. 125 g Beeren (z.B. Brombeeren & Himbeeren)
  • 1 Avocado
  • 1 (roter oder gelber) Paprika
  • nach Bedarf Butter
  • Kräuter (z.B. Thymian, Oregano, Petersilie, Rosmarin,...)

So funktioniert's:

Die Maiswaffeln – wenn gewünscht – mit Butter beschmieren und beiseite legen. Tomaten und Gurke in feine Scheiben schneiden. Ebenso den Paprika halbieren und in dünne Stifte schneiden. Die Beeren vorsichtig waschen und halbieren. Avocado vom Kern befreien, vorsichtig schälen und in feine Scheiben schneiden. Nun die Maiswaffeln jeweils mit einer Gemüse- oder Beerensorte belegen oder die Früchte und Beeren nach Belieben untereinander mischen. Anschließend die einzelnen Waffeln mit Kräutern verzieren und genießen :)

Ich hoffe ihr müsst euch nicht auch mit irgendwelchen Unverträglichkeiten umherschlagen. Mein Tipp ist: Wenn es euch nicht gut geht, handelt rechtzeitig. Eine glutenfreie Ernährung schadet keinesfalls und kann in meinem Fall sogar gesund sein bzw. gesund machen. Also nicht zögern, sondern einfach ausprobieren. In diesem Sinne wünsche ich euch eine wundervolle Woche. Alles Liebe und bis bald

 

Ich bin dann mal am Markt...

Die Qual der Wahl

Bio-Karotten um 2 € oder doch lieber den Kilosack "normale" Karotten um 1,30 €?! Bio Suppengemüse das eigentlich nicht mehr so frisch aussieht oder dann doch eher das "normale" Suppengrün, das zwar nicht bio ist, aber dafür günstiger und frischer wirkt? Oder soll ich nicht überhaupt lieber zum Markt fahren, wo alles super frisch, aber auch super teuer ist?!

Nicht selten stelle ich mir jeden Freitag genau diese Frage! Und wie glaubt ihr entscheide ich mich? Natürlich für das Mittelding: Bio-Karotten vom Supermarkt. Aber ich kann sagen, dass ich darauf keineswegs stolz bin! Jedoch für das "normale" Gemüse nagt das schlechte Gewissen zu sehr an mir und für die Extrafahrt zum Markt bin ich zu bequem :( Im Endeffekt wäre alles so viel einfacher, wenn wir unsere Produkte bei unseren regionalen Bauern kaufen würden. Ganz ohne erhöhten CO2-Ausstoß für Transport und Lieferung und ganz ohne Massentier- oder Pflanzenhaltung, wo einem schon beim bloßen Zuschauen nicht nur die Tiere, sondern auch die Pflanzen leid tun. Und vor allem wenn man weiß, dass es auch anders geht...

Es muss sich etwas ändern

Ich will hier keine Schimpftirade loslassen, aber viel zu selten denken wir an die Konsequenzen nach, die ein unüberlegter Kauf oftmals mit sich zieht. Nehmen wir ein 5 € T-Shirt von einem Billigshop her. Das geht gar nicht, dass hier Menschen gerecht behandelt bzw. bezahlt werden, die Produktion in China stattfindet, der Transport einen gewissen Betrag kostet und das Unternehmen auch noch einen Gewinn aus dem Verkauf schlagen kann. Da muss unweigerlich ein Haken daran sein und dasselbe gilt für den industrialisierten Lebensmittelhandel. Wenn wir in günstigen Lebensmittelketten einkaufen, erhöhen wir gewissermaßen parallel dazu den CO2-Ausstoß genauso, wie die tier- und pflanzenunwürdigen Produktionsbedingungen und "füttern" damit regelrecht die wenigen ganz großen (Lebensmittel-)Konzerne, die letztendlich nur auf Profit aus sind. Und das alles auf Kosten der Konsumenten. Aber das Traurige daran ist, dass dies an die Konsumenten nicht kommuniziert wird und sie daher oftmals nicht wissen, was sie durch ihre Käufe unterstützen.

Was ist Bio?

Ich bin mir auch langsam darüber im klaren, dass nicht überall wirklich Bio drin ist, wo auch Bio drauf steht. Das ist einfach nur eine Spitzfindigkeit, weil irgendwelche Werte noch nicht ganz überschritten wurden und genau deswegen darf dieses Produkt ein Bio-Gütesiegel tragen. Dass aber trotzdem gespritzt bzw. Chemikalien verwendet wurden, steht anscheinend nicht zur Debatte. Wozu kaufe ich dann Bio? Ich denke diese Frage muss jeder für sich selber beantworten. Jeder gewichtet Dinge anders und hat andere Prioritäten.

Mir ist auch vollkommen klar, dass sich nicht von heute auf morgen alles bzw. jeder ändern wird. Aber wenn zumindest 2 von 5 Familien ihre Einstellung, sowie ihr Kaufverhalten ändern, ist dies schon enorm viel wert. Ich möchte wieder auf glückliche Kühe, artgerecht gehaltene Schweine und natürlich wachsende Pflanzen blicken können. Also quasi zurück zum Ursprung gehen und der Natur freien Lauf lassen. Ich weiß, dass das gerade in der Massenproduktion kein einfaches Unterfangen ist. Aber von mir aus darf die Karotte ruhig krummer als sonst sein und  der Paprika kleiner und runder als üblich ausfallen. Also...ich bin dann mal am Markt einkaufen ;)

Dies soll nur einen kleinen Denkanstoß liefern. Vielleicht wollt ihr euch selbst erkundigen, wie es hinter den Kulissen der Lebensmittelindustrie aussieht. Ein Einblick schadet nicht und dann könnt ihr selbst entscheiden, was euch wichtig ist. In diesem Sinne möchte ich euch noch eine Kleinigkeit verraten: Das Ei von glücklichen Freilandhühnern ist nicht nur wesentlich größer und nahrhafter, sonder auch noch geschmacklich ein wahres Erlebnis ;) Alles Liebe und bis bald