Ich bin dann mal am Markt...

Die Qual der Wahl

Bio-Karotten um 2 € oder doch lieber den Kilosack "normale" Karotten um 1,30 €?! Bio Suppengemüse das eigentlich nicht mehr so frisch aussieht oder dann doch eher das "normale" Suppengrün, das zwar nicht bio ist, aber dafür günstiger und frischer wirkt? Oder soll ich nicht überhaupt lieber zum Markt fahren, wo alles super frisch, aber auch super teuer ist?!

Nicht selten stelle ich mir jeden Freitag genau diese Frage! Und wie glaubt ihr entscheide ich mich? Natürlich für das Mittelding: Bio-Karotten vom Supermarkt. Aber ich kann sagen, dass ich darauf keineswegs stolz bin! Jedoch für das "normale" Gemüse nagt das schlechte Gewissen zu sehr an mir und für die Extrafahrt zum Markt bin ich zu bequem :( Im Endeffekt wäre alles so viel einfacher, wenn wir unsere Produkte bei unseren regionalen Bauern kaufen würden. Ganz ohne erhöhten CO2-Ausstoß für Transport und Lieferung und ganz ohne Massentier- oder Pflanzenhaltung, wo einem schon beim bloßen Zuschauen nicht nur die Tiere, sondern auch die Pflanzen leid tun. Und vor allem wenn man weiß, dass es auch anders geht...

Es muss sich etwas ändern

Ich will hier keine Schimpftirade loslassen, aber viel zu selten denken wir an die Konsequenzen nach, die ein unüberlegter Kauf oftmals mit sich zieht. Nehmen wir ein 5 € T-Shirt von einem Billigshop her. Das geht gar nicht, dass hier Menschen gerecht behandelt bzw. bezahlt werden, die Produktion in China stattfindet, der Transport einen gewissen Betrag kostet und das Unternehmen auch noch einen Gewinn aus dem Verkauf schlagen kann. Da muss unweigerlich ein Haken daran sein und dasselbe gilt für den industrialisierten Lebensmittelhandel. Wenn wir in günstigen Lebensmittelketten einkaufen, erhöhen wir gewissermaßen parallel dazu den CO2-Ausstoß genauso, wie die tier- und pflanzenunwürdigen Produktionsbedingungen und "füttern" damit regelrecht die wenigen ganz großen (Lebensmittel-)Konzerne, die letztendlich nur auf Profit aus sind. Und das alles auf Kosten der Konsumenten. Aber das Traurige daran ist, dass dies an die Konsumenten nicht kommuniziert wird und sie daher oftmals nicht wissen, was sie durch ihre Käufe unterstützen.

Was ist Bio?

Ich bin mir auch langsam darüber im klaren, dass nicht überall wirklich Bio drin ist, wo auch Bio drauf steht. Das ist einfach nur eine Spitzfindigkeit, weil irgendwelche Werte noch nicht ganz überschritten wurden und genau deswegen darf dieses Produkt ein Bio-Gütesiegel tragen. Dass aber trotzdem gespritzt bzw. Chemikalien verwendet wurden, steht anscheinend nicht zur Debatte. Wozu kaufe ich dann Bio? Ich denke diese Frage muss jeder für sich selber beantworten. Jeder gewichtet Dinge anders und hat andere Prioritäten.

Mir ist auch vollkommen klar, dass sich nicht von heute auf morgen alles bzw. jeder ändern wird. Aber wenn zumindest 2 von 5 Familien ihre Einstellung, sowie ihr Kaufverhalten ändern, ist dies schon enorm viel wert. Ich möchte wieder auf glückliche Kühe, artgerecht gehaltene Schweine und natürlich wachsende Pflanzen blicken können. Also quasi zurück zum Ursprung gehen und der Natur freien Lauf lassen. Ich weiß, dass das gerade in der Massenproduktion kein einfaches Unterfangen ist. Aber von mir aus darf die Karotte ruhig krummer als sonst sein und  der Paprika kleiner und runder als üblich ausfallen. Also...ich bin dann mal am Markt einkaufen ;)

Dies soll nur einen kleinen Denkanstoß liefern. Vielleicht wollt ihr euch selbst erkundigen, wie es hinter den Kulissen der Lebensmittelindustrie aussieht. Ein Einblick schadet nicht und dann könnt ihr selbst entscheiden, was euch wichtig ist. In diesem Sinne möchte ich euch noch eine Kleinigkeit verraten: Das Ei von glücklichen Freilandhühnern ist nicht nur wesentlich größer und nahrhafter, sonder auch noch geschmacklich ein wahres Erlebnis ;) Alles Liebe und bis bald   

Zurück zum Ursprung

Als ich letztens Einkaufen war, hat mich zu meiner großen Überraschung eine ganz ungewöhnliche Karottensorte richtiggehend angesprungen. Grund dafür: In der Verpackung waren neben den in Gelb- und Orangetönen leuchtenden Karotten, auch noch kräftig lilafarbene Urkarotten zu finden - eine ganz seltene alte Karottensorte. Das Besondere an der Sorte ist nicht nur die außergewöhnliche Lila Farbe, sondern auch die Färbung, die sie zum Beispiel in Suppen oder im Risotto hinterlässt. Natürlich war schnell klar, dass die Karotten für ein Shooting "missbraucht" werden müssen. Ich hab mir überlegt, dass ich das diesmal mit der Erklärung von hartem und weichem Licht verbinde ;)

Und darum geht es:

Hartes Licht wird in der Essensfotografie recht selten verwendet, da die Schatten sehr stark sichtbar und dunkel sind und somit die Weichheit im Bild verloren geht. Aber die tollen Eigenschaften von hartem Licht kann man sich natürlich auch zu nutze machen, indem man die vermeintlichen "Nachteile" in Vorteile verwandelt und gekonnt einsetzt.

Zur Unterscheidung:

  • Hartes Licht

Hartes Licht entsteht, wenn mit einer sehr kleinflächigen, sprich punktuellen, Lichtquelle gearbeitet wird (dazu zählt auch Sonnenlicht zur Mittagszeit). Dadurch entstehen harte Schatten, die klare und scharfe Kanten haben. Im tieferstehenden Beispiel sieht man bei den Karotten sehr schön den harten Schatten des Holzbrettes und auch den Schatten, den die Karotten werfen. Wenn das Objekt direkt mit einem punktuellen Licht - ohne dem Zwischenschalten von einem Diffusor - beleuchtet wird, dann wird mit hartem Licht gearbeitet. Zur Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht, gibt sie sehr hartes Licht bzw. harte Schatten ab, welches mittels eines Diffusors aufgeweicht werden kann. Mittels hartem Licht will man meist bewusst die Rauheit oder Stärke von Objekten darstellen.

  • Weiches Licht

Weiches Licht wiederum entsteht durch eine sehr großflächige Lichtquelle, die möglichst nahe am Objekt platziert wird. Dadurch entstehen ganz zarte und weiche Schatten, die für den Betrachter bzw. die Betrachterin meist kaum sichtbar sind. Weiches Licht unterstreicht vor allem die Zartheit und Weichheit von Dingen. Um weiches Licht zu erzeugen, kann man sich schon mit ganz einfachen Tricks, wie zum Beispiel einem weißen dünnen Blatt Papier, helfen. Das heißt, zwischen der Lichtquelle, die ein hartes Licht abgibt, und dem Objekt muss sozusagen ein Diffusor zwischengeschaltet werden. Diffusor können wie gesagt ein dünnes Blatt Papier sein, Butterbrotpapier oder aber auch professionelle Diffusor, die es im Fachhandel zu kaufen gibt. Weiches Licht kann aber auch durch eine indirekte Beleuchtung erzielt werden. Wenn man zum Beispiel die Lichtquelle gegen die Wand strahlt und somit nur das Streulicht auf  das Objektiv gelangt. Sonnenlicht wirft in den frühen morgen und späteren Nachmittag- bzw. Abendstunden weiches Licht ab.

Oft werden in der Essensfotografie die Produkte von hinten beleuchtet, da die Facetten des Essens dadurch gut zur Geltung kommen und richtiggehend leuchten. Aber das ist Geschmackssache. Man kann Essen genauso gut von der Seite oder rundum (also mit mehreren Lichtquellen) ausleuchten. Achtet auf die Uhrzeit, wenn ihr ein Shooting im Freien habt, damit ihr nicht ungewollte Schatten im Bild habt. Bei diesigem Wetter shootet es sich übrigens am besten, wenn man ein möglichst weiches Licht haben möchte.

Ich hoffe ich konnte euch ein paar Tipps und Tricks für das Abfotografieren eurer Produkte und Speisen liefern. Für Fragen und Unklarheiten stehe ich wie immer sehr gerne zur Verfügung.

Alles Liebe und bis bald