Zurück zum Ursprung

Als ich letztens Einkaufen war, hat mich zu meiner großen Überraschung eine ganz ungewöhnliche Karottensorte richtiggehend angesprungen. Grund dafür: In der Verpackung waren neben den in Gelb- und Orangetönen leuchtenden Karotten, auch noch kräftig lilafarbene Urkarotten zu finden - eine ganz seltene alte Karottensorte. Das Besondere an der Sorte ist nicht nur die außergewöhnliche Lila Farbe, sondern auch die Färbung, die sie zum Beispiel in Suppen oder im Risotto hinterlässt. Natürlich war schnell klar, dass die Karotten für ein Shooting "missbraucht" werden müssen. Ich hab mir überlegt, dass ich das diesmal mit der Erklärung von hartem und weichem Licht verbinde ;)

Und darum geht es:

Hartes Licht wird in der Essensfotografie recht selten verwendet, da die Schatten sehr stark sichtbar und dunkel sind und somit die Weichheit im Bild verloren geht. Aber die tollen Eigenschaften von hartem Licht kann man sich natürlich auch zu nutze machen, indem man die vermeintlichen "Nachteile" in Vorteile verwandelt und gekonnt einsetzt.

Zur Unterscheidung:

  • Hartes Licht

Hartes Licht entsteht, wenn mit einer sehr kleinflächigen, sprich punktuellen, Lichtquelle gearbeitet wird (dazu zählt auch Sonnenlicht zur Mittagszeit). Dadurch entstehen harte Schatten, die klare und scharfe Kanten haben. Im tieferstehenden Beispiel sieht man bei den Karotten sehr schön den harten Schatten des Holzbrettes und auch den Schatten, den die Karotten werfen. Wenn das Objekt direkt mit einem punktuellen Licht - ohne dem Zwischenschalten von einem Diffusor - beleuchtet wird, dann wird mit hartem Licht gearbeitet. Zur Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht, gibt sie sehr hartes Licht bzw. harte Schatten ab, welches mittels eines Diffusors aufgeweicht werden kann. Mittels hartem Licht will man meist bewusst die Rauheit oder Stärke von Objekten darstellen.

  • Weiches Licht

Weiches Licht wiederum entsteht durch eine sehr großflächige Lichtquelle, die möglichst nahe am Objekt platziert wird. Dadurch entstehen ganz zarte und weiche Schatten, die für den Betrachter bzw. die Betrachterin meist kaum sichtbar sind. Weiches Licht unterstreicht vor allem die Zartheit und Weichheit von Dingen. Um weiches Licht zu erzeugen, kann man sich schon mit ganz einfachen Tricks, wie zum Beispiel einem weißen dünnen Blatt Papier, helfen. Das heißt, zwischen der Lichtquelle, die ein hartes Licht abgibt, und dem Objekt muss sozusagen ein Diffusor zwischengeschaltet werden. Diffusor können wie gesagt ein dünnes Blatt Papier sein, Butterbrotpapier oder aber auch professionelle Diffusor, die es im Fachhandel zu kaufen gibt. Weiches Licht kann aber auch durch eine indirekte Beleuchtung erzielt werden. Wenn man zum Beispiel die Lichtquelle gegen die Wand strahlt und somit nur das Streulicht auf  das Objektiv gelangt. Sonnenlicht wirft in den frühen morgen und späteren Nachmittag- bzw. Abendstunden weiches Licht ab.

Oft werden in der Essensfotografie die Produkte von hinten beleuchtet, da die Facetten des Essens dadurch gut zur Geltung kommen und richtiggehend leuchten. Aber das ist Geschmackssache. Man kann Essen genauso gut von der Seite oder rundum (also mit mehreren Lichtquellen) ausleuchten. Achtet auf die Uhrzeit, wenn ihr ein Shooting im Freien habt, damit ihr nicht ungewollte Schatten im Bild habt. Bei diesigem Wetter shootet es sich übrigens am besten, wenn man ein möglichst weiches Licht haben möchte.

Ich hoffe ich konnte euch ein paar Tipps und Tricks für das Abfotografieren eurer Produkte und Speisen liefern. Für Fragen und Unklarheiten stehe ich wie immer sehr gerne zur Verfügung.

Alles Liebe und bis bald 

Food Photography?!?

Wenn mich jemand fragt, was man unter Food Photography versteht, könnte ich das natürlich in einem kurzen und prägnanten Satz erläutern. Ich denke mir aber, dass ich damit die eigentliche Frage, die mein Gegenüber mir stellt, nicht wirklich beantworte. Denn meiner Ansicht nach werde ich nicht gefragt: "Was ist Food Photography?" sondern eher "Wozu brauche ich einen Food Fotografen, wenn ich mit meinem Handy oder meiner Spiegelreflexkamera auch schöne Fotos machen kann?!".

Food Photography ist komplexer als man denkt und in sich nochmals in mehrere Zweige unterteilt. Aber prinzipiell gilt:

  • Food FotografInnen arbeiten meistens gemeinsam mit einem Food Stylisten bzw. einer Food Stylistin zusammen, der bzw. die das Essen vor allem so anrichtet, damit es zum Abfotografieren optimal präsentiert wird. In der Regel werden die Speisen von Köchen zubereitet, aber oftmals übernimmt diese Aufgabe auch gleich die Food Stylistin bzw. der Food Stylist. Beim Styling wird darauf geachtet, dass nur mit hochwertigen und frischen Produkten gearbeitet wird, da Frische und Qualität jedenfalls im Foto sichtbar werden. 
     
  • Der Food Fotograf bzw. die Food Fotografin ist im Gegensatz zum Stylisten bzw. zur Stylistin für das perfekte Licht und eine exzellente Ausleuchtung, aber auch für den perfekten Winkel und die optimale Perspektive zuständig. Da sind oft nur ein paar Zentimeter Höhenunterschied wirklich entscheidend, um das Produkt im Foto schön wirken zu lassen. Und gerade das Licht ist in der Fotografie so extrem wichtig, denn erst dadurch werden Dinge sichtbar gemacht, die beim bloßen Betrachten vielleicht nicht aufgefallen wären.
     
  • Die einen FotografInnen spezialisieren sich auf informative Fotografie, das heißt, die Produkte werden vor weißem Hintergrund abgelichtet und können im Anschluss daran auch freigestellt werden. Andere wiederum beschäftigen sich größtenteils mit der emotionalen Fotografie, in der ganz viel mit Dekoration und verschiedenen Szenen gearbeitet wird, um den Betrachter bzw. die Betrachterin emotional einzufangen. Hier geht es vor allem um die Vermittlung von Gefühlen. Man glaubt gar nicht, wie wichtig Dekoration sein kann und wie sehr sie ein Bild beleben (natürlich nur, wenn man es nicht übertreibt :)!
     
  • Manche Food FotografInnen sehen sich auch ein bisschen als Vermittler. Das heißt, sie möchten UnternehmerInnen aufzeigen, wie wichtig Bilder, insbesondere Fotos, für den Verkauf von Produkten sind. Österreich muss in Bezug auf Fotografien noch ein bisschen umdenken und schätzen lernen, welche Kraft (gut gemachte) Fotos haben können. Nämlich im besten Fall erhöhen sie die Aufmerksamkeit der KundInnen und somit auch den Umsatz des Unternehmens.

Ich will nicht sagen, dass HobbyfotografInnen keine tollen Fotos von Speisen und Getränken machen können. Denn mit viel Glück ist das Licht gerade perfekt, die Perspektive optimal und die Kamera für die Lichtverhältnisse ausreichend. Da können dann auch wirklich schöne Bilder entstehen. Aber bei jeder professionellen Dienstleistung geht es nicht um Zufälle oder Glücksfälle, sondern um Professionalität und Können. Darunter versteht man, dass ich die Vorstellungen der KundInnen exakt umgesetzt werden können und das Bild reproduzierbar ist. In der Food Photography wird nichts dem Zufall überlassen, sondern (fast) alles ist genauestens geplant und durchdacht. Dadurch entstehen oftmals wirklich wunderschöne Bilder, die einen in den Bann ziehen :)

Ich hoffe, ich konnte euch durch meine Ausführungen ein bisschen in die Welt der Food FotografInnen einführen und allfällige Fragen klären. Wenn nicht, könnt ihr mich natürlich gerne kontaktieren. Alles Liebe und bis bald 

P.S. Großer Dank an Fiona, die diese tolle White Chocolate Tarte für mich zubereitet hat :)