Und dann?

Die richtige Wahl

Ich schaue nach rechts und sehe meine KollegInnen, die alle ihre nächsten Schritte einstudiert und den perfekten Weg für sich gefunden haben. Und es sieht so einfach aus! Auf der linken Seite sehe ich all diese Beschränkungen und Regeln, die so kompliziert wirken und mir irgendwie das Leben erschweren wollen. Ich habe keine Idee, welche Seite ich wählen soll bzw. mit welchem Weg ich meine Träume verwirklichen kann. Warum ist plötzlich niemand da, der mir den richtigen Weg weist? Es wäre so viel einfacher, wenn ich jemandem folgen könnte und einfach nur Zuhören müsste, was er/sie mir erzählt, als jeden Schritt selbst erfahren zu müssen.

Ich stehe vor der Universität, dieses riesige alte Gebäude inmitten der Stadt, mit all seinen Statuen, Treppen und Studierenden davor. Für eine kurzen Moment denke ich an all diese wundervollen Momente zurück, die mich mit dieser Institution verbinden. Meine erste Seminarstunde an der Uni vor fünf Jahren, mein Bakkalaureatsabschluss im Dezember vor zwei Jahren und natürlich meine erste eigene Klasse von Journalismusstudierenden, die mir aufmerksam zugehört haben, als ich ihnen über den Fotojournalismus berichtet hatte. Aber all diese Erinnerungen führen mich unweigerlich zu der Tatsache, dass dies nun mein letztes Semester an meiner geliebten Universität ist und ich stehe an einem Punkt, wo ich mich entscheiden muss, welchen Weg ich nun gehen will und welche Seite meine Zukunft darstellen soll. Soll ich den Doktor in Publizistik- und Kommunikationswissenschaft machen? Will ich aufhören, an der Universität zu arbeiten? Will ich vielleicht nun doch Vollzeit meiner Tätigkeit als Fotografin nachgehen?

Wo ist das kleine grüne Männchen, wenn man es braucht?

Wer gibt mir auf all meine Fragen die richtigen Antworten und sagt mir, was ich tun soll und wohin ich gehen soll? Vielleicht erscheint mir ja irgendwann ein kleines grünes Männchen inmitten einer grünen Wiese zwischen Bäumen und blühenden Blumen? Und vielleicht reicht er mir seine kleine grüne Hand und ich folge genau jenem Weg, den er mir als den richtigen zur Erfüllung meiner Träume weist. Aber wird er überhaupt meine Träume kennen? Kenne ich meine Träume?

Auf der einen Seite brauche ich dieses kleine grüne Männchen so sehr, da ich mich noch nicht bereit fühle, alleine in die große Welt hinauszutreten und normal zu Atmen, wenn all diese Menschen mit ihren großen Persönlichkeiten um mich herum stehen. Ich würde mich so gerne hinter diesen perfekten Menschen verstecken, wenn sie mit ihren perfekten Plänen, ihrer perfekten Ausbildung,  ihrem perfekten Lächeln und ihren perfekten (Berufs-)Erfahrungen genau neben mir stehen. Auf den ersten Blick schauen wir möglicherweise alle gleich aus und es könnte so einfach sein, sich einfach hinter der Masse zu verstecken. Also hängt es letztendlich von mir selbst ab, ob ich aus der Masse herausstechen und meinen eigenen Weg gehen will.

Aber das Heraustreten aus der Menge kann auch bedeuten, dass ich endlich aus diesem "Gefägnis" entkommen und mich frei fühlen kann. Einfach ich selbst sein - ganz ohne Druck und ständige Vergleiche. Einfach wie ein Vogel sein und über die Berge fliegen, während man nach dem richtigen Ziel Ausschau hält.

Mein eigener Weg könnte sehr einsam sein, denn man kennt niemanden und muss seine eigenen Erfahrungen machen - weit weg von der eigenen Komfortzone. Es könnte auch schwer sein, sich gegen die Konkurrenz durchzuschlagen. Also es wird wohl nicht einfach werden? Aber wird es sich lohnen? Ich denke schon :) 

Alles Liebe und bis bald 

P.S. Alle Fotos wurden im Zuge des Fotografie-Workshops von Plated Stories gemacht und stammen vom Château du Rivon aus Chinon (Frankreich).